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Interview mit EKK-Abteilungsleiter Manfred Mildner über die Herausforderungen der SEPA-Einführung im neuen Jahr. 

Die reibungslose Zahlungsverkehrsabwicklung ist ein Basis- element in der Kunde-Bank-Beziehung. In den vergangenen Jahren hat es nur geringfügige Verfahrensanpassungen gegeben. Dies ändert sich jetzt mit der Einführung des euro- päischen SEPA-Verfahrens – die Abkürzung SEPA steht für Single Euro Payments Area (Einheitlicher Europäischer Zahlungs-verkehrsraum) und beschreibt die Zahlungsverkehrsabwicklung für die derzeit 32 teilnehmenden europäischen Länder. Alle nationalen Zahlungsverkehrssysteme werden auf das SEPA-Verfahren umgestellt.

EKK FORUM sprach mit Manfred Mildner, Leiter der EKK-Abteilung Elektronische Bankdienstleistungen, über kommende be- ziehungsweise bereits umgesetzte Anforderungen der SEPA-Einführung:

Wann wurde SEPA beschlossen und welchen Entwicklungs- stand können wir heute verzeichnen?

Mildner: SEPA beruht auf der Lissabon- Entscheidung vom März 2000 und die Einführung wurde am 27. März 2007 durch die EU-Finanzminister beschlossen. Als Einführungstermin legte man den 28. Januar 2008 fest, und mit der SEPA-Überweisung gelang dann auch ein erfolgreicher Start. Zunächst ging man davon aus, dass die SEPA-Einführung eigentlich nur „grenzüberschreitende Zahlungen“ betrifft. Dies ist jedoch ein Irrtum, denn SEPA gilt auch für Inlandszahlungen. SEPA erstreckt sich über die EU-/EWR-Staaten sowie die Schweiz und den dazu gehörigen Euro-Zahlungsverkehr. Zwischenzeitlich sind 32 Länder dem SEPA-Verfahren beigetreten. SEPA betrifft nicht nur Institutionen/ Firmenkunden, sondern auch Privatpersonen. Nach Umsetzung der EUZahlungsdiensterichtlinie in deutsches Recht zum 1.11.2009 können jetzt auch SEPA-Lastschriften gezogen werden. Erste positive Erfahrungen liegen vor: Mehrere EKK-Kunden arbeiten bereits mit einer SEPA-Lastschrift.

Kann der SEPA-Zahlungsverkehr mit den vertrauten Elementen wie Kontonummer und Bankleitzahl fortgeführt werden?

Mildner: Für die Zahlungsverkehrsausführung ist seit November 2009 die „Kundenkennung“ maßgebend. Für SEPA-Zahlungen ist dies ausschließlich die Kombination aus IBAN (International Bank Account Number) und BIC (Bank Identifier Code). Beide Informationen finden EKK-Kunden ausgedruckt auf ihrem Kontoauszug bzw. auf der Rückseite der EKK-Bankcard. Faltblätter erläutern zusätzlich die Begriffe IBAN und BIC und geben Hinweise zum Ausfüllen von Überweisungsbelegen, ein Faltblatt zur Handhabung der SEPA-Lastschrift folgt.

Welche Anpassungen hat der EKKKunde bei einer SEPA-Überweisung zu beachten?

Mildner: Das SEPA-Überweisungs-/ Spendenformular ähnelt dem deutschen Formular, allerdings sind die bekannten Felder „Kontonummer und Bankleitzahl“ durch die SEPA-Felder „IBAN und BIC“ ersetzt. Bei elektronischen Abwicklungen wird der EKKKunde aktiv unterstützt. Privatkunden wird im EKK-Online- Banking die eigene IBAN-Nummer und der eigene BIC-Code bereits im Formular eingestellt. Institutionen nutzen über- wiegend spezielle Zahlungsverkehrs-programme und diese Programme bieten die erforderliche Unterstützung. Ich freue mich, dass zwischenzeitlich schon viele Kunden das SEPA - Überweisungsverfahren nutzen.

Herr Mildner, Sie haben darauf hingewiesen, dass seit November 2009 auch Lastschriften europaweit gezogen werden können. Welche Voraussetzungen sind seitens der Institutionen erforderlich?

Mildner: Seit dem 01.11.2009 ist die Nutzung der SEPA-Lastschrift möglich.
Man unterscheidet zwischen der SEPA-Basislastschrift und der SEPABusiness-Lastschrift. Beide Verfahren ähneln den bekannten deutschen Lastschrift-Verfahren (Einzugsermächti- gungsverfahren, Abbuchungsauftrag) aber es gibt auch Abweichungen oder Ergänzungen. Bevor eine SEPA-Lastschrift gezogen werden kann, ist eine Registrierung/ Zulassung des Zahlungsempfängers zum SEPA-Lastschriftverfahren erforderlich. Die Deutsche Bundesbank führt dies durch und vergibt dem Antragsteller eine „Gläubiger-Identifikations- Nummer (Creditor Identifier)“. Diese Nummer ist jedem elektronischen Datensatz mitzugeben. Desweiteren ist zwischen dem Zahler und dem Zahlungsempfänger ein sogenanntes SEPA-Mandat abzuschließen. Das Mandat ist in etwa vergleichbar mit der in Deutschland bekannten Einzugsermächtigung. Allerdings kann eine vorliegende Einzugsermächtigung nicht als Mandat übernommen werden eine „Umdeutung“ ist nicht möglich. Entsprechende SEPA-Mandatsformulare bieten wir unseren Kunden an. Ich freue mich, dass im Bereich der Kindergarten-/Schul-Einzugsverfahren bereits einige Kunden mit uns über die notwendigen organisatorischen und technischen Schritte diskutieren. Dies macht Sinn, denn die SEPA-Lastschrift erfordert weitergehende Anpassungen der Arbeitsprozesse. So sind auch die vom Gesetzgeber festgeschriebenen Regelungen zur Einreichungs- und Benach-richtigungsfrist zu planen und einzuhalten. Mit mehreren Kunden aus den Bereichen Kinder-garten, Schule und Heim haben wir bereits Projekte zur SEPA-Lastschrifteinführung begonnen und erste mögliche Umsetz- ungen durchgeführt.

Die Bankenwelt reagiert zurückhaltend auf SEPA – woran liegt das?

Mildner: Jede Bank entscheidet selbst über die Teilnahme am jeweiligen SEPA-Verfahren und über den Zeitpunkt des Produktangebots. Gemäß den aktuell gültigen SEPA-Teilnehmer- verzeichnis können Überweisungen bei allen europäischen Banken aufgegeben und an alle europäische Banken ausgeführt werden. Die Ausführungsfrist einer derartigen Überweisung beträgt bis zum 31.12.2011 maximal drei Geschäftstage. Ab dem 01.01.2012 ist eine Ausführungsfrist von einem Tag durch die Banken sicherzustellen. Die bekannten „Sonderbedingungen“ und das jeweilige „Preis-/Leistungsverzeichnis“ einer Bank enthalten diese Regelung. Nach meiner Einschätzung ist somit zum 31.12.2011 das Ende der „deutschen Überweisung“ festgelegt. Im Lastschriftbereich sieht dies anders aus: Der Gesetzgeber hat erst zum 01.11.2010 alle Banken zur Unterstützung des SEPA-Lastschriftverfahrens verpflichtet. Jetzt wird sich zeigen, wie es im Lastschriftsegment weitergeht. Bisherige Aussagen zu einem Endtermin „201x“ werden vereinzelt mit den Werten „2012 bzw. 2013/2014“ belegt. Die EKK unterstützt bereits seit 01.11.2009 aktiv das SEPA-Lastschriftverfahren, und einige EKK-Kunden nutzen bereits den EKK-SEPA-Lastschriftverkehr. Ich halte es für wichtig, sich frühzeitig mit der SEPA-Thematik zu befassen. Privatpersonen können eigentlich sofort SEPA-Überweisungen durchführen. Es gibt die SEPA-Überweisungs- und Spenden- formulare und viele Firmen und Institutionen haben ihre Bankverbindungsangaben auf Briefbögen, Rechnungen und im Internet bereits um die Angabe zu IBAN und BIC ergänzt. Firmen/Institutionen sollten alle Zahlungsverkehrsprogramme auf SEPA-Fähigkeit prüfen und Programmanpassungen schnellstmöglich durchführen. Institutionen, die Umsetzungshilfe benötigen, steht die EKK mit Vorträgen und Schulungen gern zur Verfügung. Mit Inform ations- veranstaltungen wollen wir unsere Privatkunden gezielt mit der neuen SEPA - Zahlungsverkehrs- abwicklung vertraut machen. Das Kunden-Echo auf eine solche Veranstaltung im Oktober im Kasseler Haus der Kirche war mit 60 Teilnehmenden sehr positiv. Wir werden im Jahr 2011 weitere derartige Veranstaltungen im Einzugsbereich der EKK-Filialen anbieten.

Können Sie noch etwas sagen zur generellen SEPA-Marktentwicklung?

Mildner: Wir analysieren regelmäßig die SEPA-Entwicklung und stellen in den letzten Monaten fest, dass jetzt auch Partner aus dem öffentlichen Bereich der öffentlichen Hand ihren nationalen Zahlungsverkehr auf SEPAZahlungsverkehr umstellen.

Quelle: EKK Forum

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